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Mit spielerischer Leichtigkeit

Das 3. Donnerstagkonzert (Reihe B) der Jenaer Philharmonie stand symbolisch als Exzellenzkonzert für die traditionelle Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar.
Hans Lehmann über das Konzert am 21. Januar 2016 im Jenaer Volkshaus


Junge Musiker wussten das Publikum zu begeistern

Hinzukam eine Programmauswahl, die sowohl Meisterwerke der Klassik und Romantik aber auch mit dem Namen Ernest Bloch ein Stück Aufarbeitung von Musikgeschichte hierzulande bedeutete. Doch der Reihe nach:

Absolvent Clemens Mohr dirigierte eingangs das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 in A-Dur, KV 488, von Wolfgang Amadeus Mozart mit der jungen Pianistin Ekaterina Chernozub als Solistin. 1786 komponiert, verzichtet Mozart auf Trompeten und Pauken - eine Flöte, Klarinetten, Fagotte und Hörner sorgen für Farbe zu den Streichern. In dieser Wiedergabe wird man vom ersten Takt an als Hörer in ein Kammermusizieren spielerischer Leichtigkeit quasi mit einbezogen, wo keine Wünsche offen blieben im Zusammenwirken von Solistin und Orchester. Der langsame Satz zählt ohnehin zu den Perlen Mozart´scher Kunst und das Finale auf dem Weg zur virtuosen Rondoform. Das Publikum reagierte begeistert.
Doch was dann unter Leitung von Clemens Mohr von der Volkshausbühne erklang, es wurde quasi zu einem historischen Ereignis in Sachen Kultur- und Musikgeschichte. Ernest Bloch (1880- 1959), der in der Schweiz geborene Musiker aus jüdischer Familie, besuchte 1916 erstmals die USA und siedelte alsbald hinüber und bekam 1924 die amerikanische Staatsbürgerschaft als inzwischen bekannter Professor für Komposition. Die 1919 entstandene Suite für Viola und Orchester bedeutete für die Jenaer Musikfreunde eine Premiere mit der jungen Solistin Liv Bartels als Solistin, sozusagen ihr Examensstück. Musik mit Worten zu beschreiben ist immer schwer, aber mit diesem allein vom Umfang her gewaltigen Opus erlebt man in vier Sätzen eine Art bilderreicher Programm-Musik, bewegend dramatisch aber auch reich an Melos. Der Violapart entsprechend komponiert von Lyrisch bis hoch explosiv, von den virtuosen Anforderungen gar nicht erst zu reden. Liv Bartels bereits eine Meisterin auf ihrem Instrument zugleich mit wunderbarer Tongebung in den Kantilenen unter Mohrs Dirigat.

Was den Orchesterpart betrifft: wiederum ein Beweis für die Klasse unserer Philharmonie in allen Registern nach weniger Probenzeit und nicht ohne Grund über 50 Jahre Partner der Weimarer Hochschule. Hinzukommt die Aufarbeitung wichtiger historischer Fakten, wo der Name Bloch in den Konzertführern der DDR fehlt, aber Schweizer Konzertbesucher an diesem Abend erzählten, dass seine Werke dort präsent sind.

Nach diesem aufrüttelndem Erleben gedieh die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 in f-Moll op. 36 von Peter Tschaikowsky unter Leitung von Absolvent Johannes Braun zu einer Art Katharsis allen Vorangegangenen. Er ging das Werk mit einer Lockerheit an ohne oft zu erlebendes falsches Pathos, das Orchester in Hochform mit zuweilen rasant virtuosen Tempi und stimmiger innerer Dynamik. Am Ende mit nicht enden wollendem Beifall bedankt.

 


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